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Informationen über Hämochromatose

Krankheitsbild

Bei der Hämochromatose handelt es sich um eine Eisenspeicherkrankheit. Die Anlage zu erkranken wird vererbt, aber nicht immer führt das Vorhandensein der Genveränderungen auch zur Ausprägung der Beschwerden. Normalerweise wird Eisen aus dem Darm ganz nach Bedarf aufgenommen. Sind die körpereigenen Eisenspeicher leer, erfolgt eine verstärkte Aufnahme, sind sie voll, dann sinkt die Aufnahmemenge entsprechend. Bei einer Hämochromatose wird jedoch unabhängig vom aktuellen Bedarf Eisen aufgenommen. Das führt im Laufe der Zeit, meist erst im Erwachsenenalter ab dem 30. Lebensjahr, zu einer Eisenüberladung des Organismus. Sie entwickelt sich langsam, da ein bestimmter Anteil des aufgenommenen Eisens auch immer wieder verbraucht wird. Die langfristigen Folgen sind: Leberschädigungen bis hin zur Leberzirrhose, Diabetes mellitus (durch Einlagerung in die Bauchspeicheldrüse), dunkle Hautpigmentierung, Erkrankungen des Herzens, sowie Gelenkschmerzen.

Diagnose

Neben der Vorgeschichte und der körperlichen Untersuchung kommen Blutuntersuchungen, Computertomographie und Kernspin, sowie die Entnahme von Biopsien (kleine Gewebeproben, die unter dem Mikroskop weiter untersucht werden) zum Einsatz. Bei bestehender Hämochromatose ist die Familienuntersuchung sowie die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung eines Leberzelltumors sinnvoll.

Ursachen

Die Hämochromatose wird vererbt. Eigentliche Ursache ist ein Gendefekt. Da jedes Gen in doppelter Ausführung vorhanden ist, kommt der Defekt nur zum Tragen, wenn beide Gene betroffen sind, dann allerdings auch nur in einem Viertel der Fälle. Während man früher die Hämochromatose für eine Dünndarmerkrankung hielt, wurde mittlerweile nachgewiesen, dass es sich um einen Gendefekt der Leber handelt. Die Leber produziert normalerweise ein Hormon, welches die Eisenaufnahme im Dünndarm regelt. Durch den Defekt wird diese Regulation außer Kraft gesetzt.

Verlauf/Folgen

Hämochromatose kann zu Leberschädigungen bis hin zur Leberzirrhose oder zu einem Leberzellkarzinom führen. Darüber hinaus können ein Diabetes mellitus, durch Einlagerung von Eisen in die Bauchspeicheldrüse dunkle Hautpigmentierung, Herzerkrankungen und Gelenkschmerzen auftreten. Wenn die Erkrankung frühzeitig behandelt wird, d .h. vor dem Auftreten von Komplikationen, werden diese verhindert und es besteht eine normale Lebenserwartung. Damit die Diagnose frühzeitig gestellt werden kann, ist es wichtig, dass auch die Familienmitglieder Betroffener untersucht werden.

Wann zum Arzt

Die oben genannten Beschwerden sollten zu einem Arztbesuch veranlassen. Bei bestehender Leberschädigung sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung eines Leberzellkrebses nötig.

Das können Sie tun:

Überblick

Wichtigste Maßnahme sind regelmäßige Aderlässe, durch die dem Körper Eisen entzogen wird. Bestehen erhöhte Eisenwerte, so sind die Aderlässe zu Beginn in kürzeren Abständen erforderlich, später genügt oft ein vierteljährlicher Abstand. Darüber hinaus wird empfohlen, eine eisenarme Diät einzuhalten. Wer beides konsequent einhält und keine Organveränderungen aufweist, dürfte eine normale Lebenserwartung haben.

Allgemeine Maßnahmen

Aderlass

Wechseln Sie beim Aderlass regelmäßig die Ader. Durch die Einstichstelle bilden sich nämlich Narben, die man möglichst verhindern sollte.

Ernährung

Wichtig ist eine eisenarme Diät als Basismaßnahme. Schwarzer und grüner Tee, begleitend zu den Mahlzeiten getrunken, verringert die Eisenaufnahme aus der Nahrung.

 

Eisenreiche Lebensmittel 

Folgende Lebensmittel sollten Sie wegen ihres hohen Eisengehalts meiden:

 

Fleisch

Innereien (Leber, Niere) und daraus hergestellte Produkte (z.B. Leberwurst), Fleisch allgemein

 

Nährmittel

Vollkorngetreide (vor allem Weizenkeime, Soja, Haferflocken, Roggen) und daraus hergestellte Produkte (vor allem Knäckebrot)

 

Eier

Eigelb

 

Gemüse

getrocknete Sorten (z.B. Linsen, Kichererbsen, Erbsen, Bohnen etc.), ansonsten Blattgemüse (z.B. Spinat, Mangold, Grünkohl), Sojabohnen, Pfifferlinge, Fenchel, grüne Erbsen, Zucchini und auch viele Salatsorten

 

Obst

Trockenobst (vor allem Pfirsiche, Aprikosen, Feigen, Pflaumen, Rosinen, Datteln), Beeren (Holunder-, Brom-, Erd-, Heidel-, Him-, Johannisbeeren) und Nüsse (vor allem Pistazien, Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Paranüsse, geröstete Erdnüsse, Sonnenblumenkerne)

 

Sonstiges

Hefe (vor allem getrocknete Bierhefe, aber auch Presshefe = Bäckerhefe), Tofu, milchfreie Schokolade, Brunnenkresse

 

Eisenarme Lebensmittel 

Folgende Lebensmittel dürfen Sie verzehren, sie enthalten vergleichsweise wenig Eisen:

 

Fleisch

 

- - - (d.h. überhaupt kein Fleisch)

Wurst

 

Frankfurter Würstchen, Bauchspeck, Brühwurst, Gelbwurst, Wurstsülze, Cabanossi, Katenrauchwurst, Schinkenspeck, Mettwurst, Bierwurst, Knacker, Frühstücksfleisch, Schinken, Teewurst, Rohwurst, Streichmettwurst, Jagdwurst, Kasseler, Cervelatwurst, Geflügelmortadella, Bratwurst, Landjäger, Leberkäse

 

Fisch

 

Kaviarersatz, Anchovis, echter Kaviar, Aal, Thunfisch in Öl, geräucherter Lachs, Makrele in Öl, geräucherte Forelle, Seeteufel, Flunder (viele andere Fischarten und –zubereitungen enthalten Eisenmengen, die mit denen von Geflügel vergleichbar sind)

 

Nährmittel

 

Weizenmehl Typ 405, Weizengrieß, Paniermehl, Semmelbrösel, Salzstangen, Kräcker, Knäckebrot leicht & cross, Salzgebäck, Brot aus Weißmehl (z.B. Weißbrot-Toastbrot, Baguette, Weißbrot, Fladenbrot), Cornflakes, geschälter Reis, Teigwaren aus Hartgrieß

 

Fette

 

Butter, Margarine, Pflanzenöle (z.B. Distelöl, Kokosfett, Kürbiskernöl, Leinöl, Olivenöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl), Mayonnaise, Erdnussbutter

 

Milchprodukte

 

reine Milchprodukte generell

Eier

Eiweiß

Gemüse

 

Zwiebeln, Kürbis, Chicoree, Schalotten, Sauerkraut, Kartoffeln, Maronen, Auberginen, Weißkohl, Rotkohl, Rettich, Paprika, frische Alfalfasprossen, frische Mungobohnensprossen, frische Sojabohnensprossen, Eisbergsalat, Tomaten, Gurken, gelbe Paprika, Selleriekonserve

 

Obst

 

Obst generell, insbesondere Mispeln, Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Birnen, Kirschen, Mirabellen, Nektarinen, Rhabarber, Äpfel,  

 

Getränke

 

Obstsaft, Limonaden, Bier, Wein, klare Schnäpse, Liköre, Rum, Weinbrand, Kokosmilch

 

Süßes

Baiser, Weißer Lebkuchen, Kuchen aus Weißmehl (z.B. Amerikaner aus Rührteig, Englischer Teekuchen, Butterkeks, Heidesand aus Rührteig, Sandkuchen, Biskuitkuchen, Hefeteig, Baumkuchen, Blätterteig)

 

Sonstiges

Puffreis, Erdnussflips, Reisstärke, Oliven, Kartoffelchips, Gewürze wie Basilikum, Bohnenkraut, Kerbel, Liebstöckel, Lorbeer, Majoran, Oregano, Pfefferminze, Schnittlauch

Selbsthilfegruppen

Hämochromatose-Selbsthilfegruppe

c/o KISS für SH-Gruppen im Saarland
Hafenstr. 4
66111 Saarbrücken
Telefon: 06869/1606


Literaturquellen



Letzte Aktualisierung: 15.11.2015

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Quelle: martens.de

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