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Informationen über: Zwölffingerdarmgeschwür

Krankheitsbild

Das Zwölffingerdarmgeschwür, vom Mediziner als Ulcus duodeni bezeichnet, ist in Deutschland wesentlich häufiger als das Magengeschwür. Das war aber nicht immer so. Im vorigen Jahrhundert lag das Verhältnis umgekehrt. Heutzutage erkranken jährlich fast 3 Prozent der Bevölkerung neu an einem Zwölffingerdarmgeschwür. Betroffen sind vor allem Männer und Menschen mit der Blutgruppe 0.

 

So äußert sich ein Zwölffingerdarmgeschwür

Als Anzeichen ist der so genannte Nüchternschmerz charakteristisch. Er äußert sich in Form bohrender, schneidender stechender Schmerzen, die vor allem bei nüchternem Magen auftreten und nachts, aber auch bereits zwei Stunden nach einer Mahlzeit möglich sind. Nach dem Essen verschwinden die Schmerzen oft für ein paar Stunden.

Diagnose

Die Vorgeschichte mit der charakteristischen Schmerzsymptomatik kann erste Hinweise auf das Vorliegen eines Zwölffingerdarmgeschwürs geben. Für die genaue Diagnosestellung wird i.d.R. eine Endoskopie durchgeführt, bei der die betroffenen Darmabschnitte von innen angesehen werden. Ggf. werden dabei auch Biopsien (kleine Gewebsstücke) entnommen, um zu prüfen, ob ein Befall mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt. Dieser Keim ist in den meisten Fällen ursächlich für die Erkrankung verantwortlich.

Ursachen

In den meisten Fällen liegt der Ulkuserkrankung eine Besiedlung mit Helicobacter pylori zugrunde

Es handelt sich hierbei um ein Bakterium, das perfekt ans Überleben in seiner sauren Umgebung angepasst ist. Es schädigt die natürlichen Schutzmechanismen der Darmschleimhaut und begünstigt so die Entstehung von Zwölffingerdarmgeschwüren. Durch die Eliminierung von Helicobacter pylori verschwindet auch das Ulcus duodeni.

 

Auch ohne Helicobacter pylori-Besiedlung kann ein Ulcus duodeni entstehen

Die Verdauung ist ein sehr komplexer Vorgang. Hierfür ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Nerven, Hormonen, Enzymen und chemischen Substanzen wie Salzsäure erforderlich. Insbesondere die Salzsäure im Magen ist unverzichtbar für die Verdauung. Allerdings ist sie eine äußerst aggressive Substanz, die unter normalen Umständen das Gewebe zerstören würde. Hiergegen sind Magen und Zwölffingerdarm durch eine spezielle Schleimhaut geschützt. Dieser Mechanismus funktioniert aber nur solange, wie ein Gleichgewicht zwischen den schützenden Faktoren (Schleim) und den aggressiven Faktoren (Salzsäure) besteht. Wenn es gestört wird, kann es zu höheren Säurekonzentrationen kommen oder einer erhöhten Säureempfindlichkeit der Schleimhaut oder einer beschleunigten Magenentleerung. Dadurch kann sich die Schleimhaut entzünden und auch tiefere Schichten erfassen. Es entsteht eine offene Wunde, die als Geschwür oder Ulkus (lateinisch Ulcus) bezeichnet wird.

 

Diese Faktoren erhöhen das Erkrankungsrisiko

Alle aggressiven Faktoren wie beispielsweise Medikamente, Nikotin, Alkohol und Stress können das Gleichgewicht stören und damit ein Ulkus auslösen. Trotzdem entwickelt es sich nicht bei jedem Menschen. Man nimmt daher an, dass eine erbliche Veranlagung Voraussetzung ist. Weiterhin spielt die persönlichkeitsbedingte Art der Stressverarbeitung eine Rolle. Wer alle Probleme und Belastungen in sich 'hineinfrisst', ist am ehesten betroffen.

 

Auch Medikamente können die Schleimhaut angreifen und damit die Geschwürbildung unterstützen. Hierzu zählen beispielsweise Schmerz- und Rheumamittel, die Acetylsalicylsäure enthalten, cortisonhaltige und andere Präparate. Darüber hinaus können schwere Unfälle und Operationen ein Geschwür auslösen.

 

Wer bereits einmal ein Zwölffingerdarmgeschwür hatte, neigt dazu, erneut ein Ulkus zu entwickeln. Dieses Risiko ist für Raucher besonders hoch.

Verlauf/Folgen

Ein Ulcus duodeni verursacht nicht nur unangenehme Schmerzen, es können auch schwerwiegende Komplikationen auftreten, wie lebensbedrohliche Blutungen oder Risse des Darms. Aus diesem Grund ist eine Behandlung in jedem Fall anzuraten. Sie hat gute Erfolgsaussichten und führt i.d.R. zu einem Verschwinden der Beschwerden.

Wann zum Arzt

Bereits um sicher zu gehen, dass Ihre Beschwerden nur auf einem Zwölffingerdarmgeschwür und nichts Ernsterem beruhen, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Der rechtzeitige Arztbesuch ist wichtig, weil ein nicht behandeltes Zwölffingerdarmgeschwür gelegentlich zu Komplikationen führen kann, wie beispielsweise einem Durchbruch oder Blutungen.

 

Diese Symptome deuten auf einen Durchbruch hin

Bei einem Durchbruch ändert sich die Art der Schmerzen. Sie können ganz erheblich zunehmen oder auch plötzlich verschwinden. Der so genannte "harte Bauch" ist immer ein Alarmzeichen. Hier ist unverzüglich ein Arzt zu informieren. Blutungen aus dem Geschwür äußern sich in der Regel als sehr dunkler, schwarzer Stuhl oder indem man Blut erbricht. Das kann ganz frisch oder auch geronnen sein (sieht dann aus wie Kaffeesatz). Meist treten parallel Kreislaufstörungen, kalter Schweißausbruch, allgemeine Schwäche oder auch Luftnot auf.

Bei allen diesen Anzeichen muss UNVERZÜGLICH ein Arzt aufgesucht werden!

Das können Sie tun:

Überblick

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache

Wenn eine Besiedlung mit Helicobacter pylori festgestellt wurde, steht die Beseitigung dieses Bakteriums im Vordergrund, d.h. eine so genannte Eradikationstherapie. In allen anderen Fällen ist es wichtig, die auslösenden Faktoren (Medikamente, Rauchen, Stress,…) zu beseitigen. Zusätzlich kommen Medikamente zum Einsatz, die die Säureausschüttung im Magen hemmen.

 

So unterstützen Sie die Therapie wirksam durch eigene Maßnahmen:

  • Schalten Sie alle negativ wirkenden Faktoren aus. Geben Sie, wenn Sie zum Beispiel Raucher sind, das Rauchen auf.
  • Sorgen Sie für eine gesunde, auf Ihre Krankheit abgestimmte Ernährung.
  • Setzen Sie auf bewährte Hausmittel.

 

Beugen Sie einem erneuten Geschwür vor

Wer sein Zwölffingerdarmgeschwür erfolgreich ausgeheilt hat, ist nicht unbedingt auf Dauer davon befreit, denn bei den meisten entwickelt sich innerhalb der nächsten zwei Jahre erneut ein entsprechendes Geschwür. Diesem können Sie vorbeugen! Stellen Sie ungünstig wirkende Faktoren auf Dauer ab. Raucher sollten das Rauchen aufgeben. Wenn Sie unter Stress oder Problemen neigen, gehen Sie diese Dinge an. Erlernen Sie gegebenenfalls ein Entspannungstraining und achten Sie auf die richtige Ernährung.

Medikamente

Die Behandlung einer Helicobacter pylori-Besiedlung erfolgt mit Hilfe einer Dreifachtherapie über sieben Tage. Nach Eliminierung des Bakteriums verschwindet in der Regel auch das Ulkusleiden.

In den anderen Fällen kommen so genannte Protonenpumpenblocker oder H2-Blocker zum Einsatz. Sie verrindern die Säureausschüttung im Magen und reduzieren so die auf die Darmschleimhaut einwirkenden aggressiven Faktoren.

Ernährung

Empfehlenswert ist für Sie eine so genannte leichte Vollkost. Das heißt, Sie dürfen im Prinzip alles essen, sollten jedoch Nahrungsmittel, die oft schlecht vertragen meiden. Hierzu zählen:

 

Gemüse

Hülsenfrüchte, Gurkensalat, Weißkohl, Sauerkraut, Rotkraut, Zwiebeln, Wirsing, Paprika, Grünkohl, Pilze, Lauch

 

Getränke

Getränke mit Kohlensäure, Bohnenkaffee, Weißwein, Rotwein

 

Brot/Backwaren

frisches Brot, süße und fette Backwaren

 

Sonstiges

Frittiertes (z.B. Pommes frites), paniert Gebratenes, fette Speisen, Geräuchertes, Eisbein, zu heiße, kalte und stark gewürzte Speisen, Süßigkeiten, hart gekochte Eier, Kopfsalat, Mayonnaise, Kartoffelsalat, Sahne, rohes Stein- und Kernobst

Hausmittel

An Hausmitteln haben sich Mittel zum Einnehmen und Wickel bewährt.

 

Zum Einnehmen

Weißkohlsaft

Täglich 1 Liter frischen Kohlsaft (oder verdünnt mit Kümmeltee) über den Tag verteilt trinken, am besten zwischen den Mahlzeiten und morgens nüchtern (Kuranwendung 3 Wochen). Soll hervorragend wirken!

 

Kamillentee-Rollkur

 

Arzneitees

an Tees haben sich bewährt: Kamille, Pfefferminze, Melisse

 

Süßholzsaft oder Lakritze

Die Dosierung sollten Sie unbedingt mit dem Arzt absprechen, da eine Überdosierung erhebliche Nebenwirkungen haben kann (z.B. Blutdruckerhöhung). Alternativ können Sie auch Süßholzwurzel kauen.

 

Wickel und Auflagen

Ideal sind der Heublumensack und einfache feuchtwarme Wickel. Sie sind allerdings nur dann zu empfehlen, wenn sie keine Beschwerden machen.

 

Heublumensack

Sie benötigen:

  • frische getrocknete Heublumen (aus der Apotheke)
  • einen Sack aus grobem Leinen (die Größe des Sackes anhand der Körpergröße des Patienten wählen)

Den mit Heublumen gefüllten Sack drücken Sie vorsichtig in kochendes Wasser, und zwar so weit, dass er ganz mit Wasser bedeckt ist. Dann lassen Sie ihn 10 Minuten ziehen (nicht kochen!). Anschließend drücken Sie ihn aus (wegen der Hitze evtl. mit Gummihandschuhen) und lassen ihn auf ca. 40°C abkühlen (er darf beim Auflegen keine Verbrennungen verursachen!).

Dann legen Sie ihn auf die zu behandelnde Körperstelle, fixieren ihn mit einem grobleinernem Zwischentuch und wickeln darüber eine Wolldecke, die sie fest anziehen, damit der Wickel gut festsitzt. Heusack 1/2 bis 1 1/2 Stunden liegen lassen.

Bitte beachten Sie:

  • verwenden Sie stets frische Heublumen
  • laugen Sie die Heublumen nicht zu sehr aus (nicht kochen)
  • wickeln Sie den Sack gut fest, damit er Halt hat und gut wirken kann.

 

Kamillentee-Rollkur

Sie benötigen:

  • 3-4 Teelöffel Kamillenblüten
  • 1/4 Liter kochendes Wasser

Kamillenblüten mit dem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

Die gesamte Menge warmen Tee auf einmal trinken und anschließend 5 Minuten auf den Rücken legen, dann 5 Minuten auf die linke Seite, dann 5 Minuten auf den Bauch und zum Schluss 5 Minuten auf die rechte Seite.

Selbsthilfegruppen

CED-Hilfe e.V. - Hilfe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Fuhlsbüttler Str. 401
22309 Hamburg
Telefon: 040/6323740
Telefax: 040/63708994
Email: ced-hilfe@t-online.de
Internet: http://www.ced-hilfe.de


Deutsche Gesundheitshilfe e.V. (DGH)

Hausener Weg 61
60489 Frankfurt/M.
Telefon: 069/780042
Telefax: 069/787700
Email: DGH-Mail@t-online.de
Internet: http://www.dgh-online.de


Deutsche Ileostomie-Colostomie-Urostomievereinigung (ILCO) e.V.

Bundesgeschäftsstelle
Landshuter Str. 30
85356 Freising
Telefon: 08161/934301
Telefax: 08161/934304
Email: info@ilco.de
Internet: http://www.ilco.de


Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV)

Bundesgeschäftsstelle
Paracelsusstr. 15
51375 Leverkusen
Telefon: 0214/87608-0
Telefax: 0214/87608-88
Email: info@dccv.de
Internet: http://www.dccv.de


Deutsche Reizdarm-Selbsthilfe e.V.

Mörikeweg 2
31303 Burgdorf
Telefon: 05136/896106
Telefax: 05136/873662
Email: reizdarm@aol.com
Internet: http://www.reizdarmselbsthilfe.de


Familienhilfe Polyposis coli e.V.

Bundesverband
Kaiserfeld 20
46047 Oberhausen
Telefon: 0208/870408


Gesellschaft für Inkontinenzhilfe e.V. (GHI)

Bundesgeschäftsstelle
Friedrich-Ebert-Str. 124
34119 Kassel
Telefon: 0561/780604
Telefax: 0561/776770
Email: http://www.gih.de
Internet: gih-kassel@t-online.de


Hilfe für inkontinente Personen e.V.

Dr. Karl Gustav Werner
Postfach 111322
40513 Düsseldorf
Telefon: 0211/592127
Telefax: 0211/592494


Magen-Darm-Informationszentrum

Telefon: 069/31 40 53 29


Selbsthilfegruppe Morbus Hirschsprung

Wörthsee
Jägerstraße 12
82237 Wörthsee
Telefon: 08153/89648


Selbsthilfegruppe Morbus Hirschsprung

München
Truderinger Straße 140c
81825 München
Telefon: 089/438268


SOMA e.V.

Junkernweg 16
21641 Apensen
Telefon: 04167/1422


SOMA e.V. - Selbsthilfeorganisation für angebore Mißbildungen des Anus

Elterninitiative für inkontinente Kinder
Stresemannstr. 67
47803 Krefeld
Telefon: 02151/760790


Literaturquellen



Letzte Aktualisierung: 14.02.2015

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Sämtliche Inhalte wurden vom Redaktionsteam Dr. Martens erstellt, das aus Fachautoren wie zum Beispiel ausgebildeten und anerkannten Apothekern und Ärzten besteht. Die Informationen ersetzen trotzdem weder die Therapie noch den Rat Ihres Arztes oder Apothekers und dürfen nicht zur eigenständigen Diagnosestellung oder Selbstbehandlung verwendet werden. Beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und unseren Haftungsausschluss.

Quelle: martens.de

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